Manche Orte sucht man. Andere finden einen.
Lange Zeit haben wir unsere Seminare in schönen Hotels und Zentren gehalten. Aber irgendwann wuchs ein Wunsch: ein eigener Platz. Ein Ort, an dem nur unsere Gruppe ist, geschützt und ungestört. Ein Ort, den wir so gestalten können, dass er die Arbeit trägt, mit Atmosphäre, mit Wärme, mit allem, was es dafür braucht, gleich zur Hand.
Die Suche
Mit einem Wohnmobil haben wir uns auf den Weg gemacht, quer durch Österreich. Es gab wunderschöne Plätze, etwa in Salzburg, aber leisten konnten wir sie uns nicht. Erspartes für so etwas gab es nicht.
So kamen wir ins Waldviertel, zum ersten Mal überhaupt. Wir haben viel angeschaut. Und ganz am Ende sagte der Makler zögernd: Da gäbe es noch etwas. Steht seit Jahren leer, ziemlich kaputt. Ob er uns das überhaupt zeigen solle?
„Ja, bitte. Unbedingt.“
Liebe auf den ersten Blick, und ein Kredit
Es war die alte Modlischmühle, einst die Meierei des Schlosses Schwarzenau, direkt an der Thaya. Drei Jahre hatte sie leer gestanden, ausgeräumt, verwildert, baufällig. Und wir haben uns trotzdem sofort in sie verliebt.
Ehrlich gesagt: Der Verstand hätte diese Mühle nicht gekauft. Es war eine reine Herzensentscheidung. Auf Kredit. 1991 haben wir die Mühle gekauft, und gleich danach ging es los: zuerst mit dem Roden.

Was unter dem Putz lag
Wie schlimm es wirklich war, sahen wir erst, als wir anfingen. Unter frischer Farbe und hinter Holzverschalungen kamen Schimmel, Feuchtigkeit und Kälte zum Vorschein. Die Dächer waren kaputt, die Fenster auch. Eigentlich standen nur noch die Grundmauern.
Und je mehr wir ausgegraben und an Putz heruntergeschlagen haben, desto schlimmer sah es aus. Lange Zeit wurde es nicht schöner, sondern erst einmal noch trostloser. Erst nach und nach war zu sehen, dass sich wirklich etwas verändert.

Am Anfang wohnten wir im Wohnwagen und hielten unsere Seminare weiter auswärts. Wir haben gerodet, denn das ganze Areal, eineinhalb Hektar, war zugewachsen. Und dann haben wir gebaut. Jede freie Minute, neben der Arbeit. Alle haben angepackt, auch wir Frauen: verputzt, gestrichen, Fliesen gelegt, Dach gedeckt. Gemeinsam mit Freunden, Mitarbeitern und Profis, denn alles von Firmen machen zu lassen, das hätten wir nie geschafft.

Es gab Momente, in denen wir nicht wussten, ob wir das schaffen, auch finanziell. Aber wir sind daran gewachsen. Und wir haben gelernt, uns über kleine Dinge zu freuen: über ein neues Fenster, über eine fertige Wand, über das erste warme Zimmer.

Ein besonderer Ort
Beim Abschlagen des alten Putzes zeigte uns die Mühle ihr ursprüngliches Gesicht: große Fenster mit Rundbögen statt der kleinen, die wir übernommen hatten. Die Gewölbe waren erst später eingebaut worden. So haben wir die Mühle Schritt für Schritt wieder geöffnet, mit großen, hellen Räumen.
Ein Geomant erzählte uns später, dass die Mühle nach dem Goldenen Schnitt gebaut ist. Es gibt hier keinen einzigen rechten Winkel. Und er nannte sie einen Kraftplatz. Vielleicht ist das der Grund, warum unsere Gäste beim Ankommen so oft dasselbe sagen: „Es ist wie nach Hause kommen.“
2002: das erste Hochwasser
Die Thaya ist das Herz dieses Ortes. Im August 2002 zeigte sie uns aber auch ihre Kraft. Über einen Meter hoch stand das Wasser in allen Räumen. Unsere Tiroler Bar, gerade erst beim Festival eingeweiht, lag am tiefsten Punkt und ging komplett unter, mit ihrem Holzstöckelboden aus Altholz.

Ohne die vielen Helferinnen und Helfer hätten wir das nicht geschafft. Freunde, Menschen aus unseren Seminaren, die längst zu Freunden geworden waren, ganze Helferwochenenden lang. Danach haben wir eine Schutzmauer aus Granitsteinen gebaut und Schächte, aus denen die Feuerwehr pumpen kann. Viele Jahre lang hat sie uns geschützt.
September 2024: als das Wasser wiederkam
Im August 2024 ist Yod auf Teneriffa verstorben. Im September kamen über hundert Menschen zu uns in die Mühle, um sich gemeinsam von ihm zu verabschieden. Viele alte Freunde waren da, manche nach vielen Jahren. Es war berührend und schön.
Am zweiten Tag regnete es stark. Wir dachten: Die Mauer hält, wie so oft. Doch kurz vor dem Klangkonzert kamen Feuerwehr und Gemeinde: Wir müssen evakuieren, die Thaya tritt gleich über die Ufer.
Und dann geschah etwas, das wir nie vergessen werden. Alle, die da waren, haben angepackt. Sie haben getragen, gesichert, hochgestellt, was ging. Bis zum Schluss. Dann mussten auch wir das Haus verlassen. Eine Woche lang konnten wir nicht zurück, dreimal stieg das Wasser und fiel wieder.

Als wir zurückkamen, war das Erdgeschoss voller Schlamm. Und wir, zwei Frauen, so kurz nach Yods Tod, standen davor und wussten nicht, ob wir die Kraft haben, alles noch einmal aufzubauen.

Die Welle der Hilfe
Dann kamen die Menschen. Freunde, Gäste, ehemalige Teilnehmende, manche sogar aus Norddeutschland. Es gab eine Spendenaktion, und eine Freundin half uns, Unterstützung zu bekommen. Ohne sie wäre es nicht gegangen.
So viele sagten: „Das ist ein besonderer Platz. Wir haben hier so viel erlebt. Jetzt wollen wir euch etwas zurückgeben.“

Wir waren es gewohnt, für andere da zu sein. Jetzt durften wir lernen, Hilfe anzunehmen. Nach der Arbeit gemeinsam am Tisch zu sitzen, müde und dankbar, das hat uns tief im Herzen berührt.
Schöner als zuvor
Über den Winter bis zum Frühling 2025 haben wir die Mühle mit vereinten Kräften wieder aufgebaut, rechtzeitig zum ersten Seminar. Die Bäder und der Aufenthaltsraum sind neu, und überall steckt wieder viel Liebe im Detail.
Diesmal haben wir auch an die Thaya gedacht: Statt Holzböden liegt jetzt Travertin, statt gemauerter Betten stehen Möbel, die man hochheben kann. Die Mühle ist heute schöner als je zuvor, und besser vorbereitet.

Ein Zuhause, das wir jetzt teilen
Lange war das El Molino nur für unsere eigenen Seminare da. Heute öffnen wir es auch für andere: für Firmen und Teams, für Yoga- und Seminargruppen, für Familien und Freundeskreise, für alle, die einen geschützten, besonderen Ort in der Natur suchen. Viele kommen wieder, und manche sagen beim Abschied genau das, was auf unserer Mauer steht: Home to yourself.
Du möchtest diesen Ort mit deiner Gruppe erleben? Das El Molino ist von März bis November exklusiv für euch da. Jetzt anfragen
Asha & Marie-Luise




